HINDERNISLAUFIm Gegensatz zu vielen anderen Sportarten, wird im THS eine gegenläufige Strategie zum Höher-Schneller-Weiter verfolgt. Zumindest was die Anforderungen an das Überspringen von Hindernissen anbetrifft.
Im Laufe der letzten Jahre wurde der Laufdiel um 10 Zentimeter verbreitert und der Auf- und Ablauf von einer Stufe zu einer Schräge verändert, der Tunnel um 10 Zentimeter erhöht und keine Erhöhungen mehr des Hochweitsprungs und der Hürden für Hunde über 50 Zentimeter Schulterhöher gefordert. Die letzte Maßnahme geht auf 2013 zurück, als die 100 Zentimeter hohe Treppe und Schrägwand durch die 80 Zentimeter hohe A-Wand ersetzt wurde. Obwohl diese Querstreben hatten, sah man trotzdem Handlungsbedarf bei kleineren Hunden. Deshalb wird jetzt im Hindernislauf als zweites Hindernis der Oxer aus dem CSC verwendet. Allerdings werden die obersten drei Stangen nicht aufgelegt.
Bei dieser Änderung schlagen zwei Herzen in meiner Brust. Rein vom Optischen her macht das Überspringen der A-Wand einfach mehr her. Teams mit kleineren Hunden werden sich freuen, weil die Chancengleichheit eher gewahrt bleibt. Aus dem gleichen Grund wurde jetzt auch der Hochweit-Sprung von 100 Zentimeter auf 60 Zentimeter reduziert. Mit beiden Maßnahmen wollte man die Aufsplitterung in unterschiedliche Wertungsklassen vermeiden, was auf jeden Fall zu befürworten ist.Eine weitere Änderung ist der festgeschriebene Abstand zwischen den Hindernissen. Der Hindernislauf war die einzige Disziplin, in der das nicht der Fall war. Für mich eine längst überfällige Maßnahme. Wenn Hunde am Geschwindigkeitslimit laufen, dann müssen exakte Hindernisabstände trainiert werden. Die schnellen Hunde haben teilweise Flugkurven von sechs Metern und mehr. Da können unregelmäßige Abstände zu einer großen Gefahr werden.
CANICROSSMit der letzten Prüfungsordnung aus 2019 wurden die Cross-Disziplinen CaniCross (Hundeführer läuft mit Hund), Bikejöring (Mountain-Bike + Hund) und Dogscooter (Scooter + Hund) aufgenommen. Hier sollte eine Lücke im Portfolio der Cross-Disziplinen geschlossen werden. Da es im THS bereits den Geländelauf mit den Strecken 1.000, 2.000 und 5.000 m gab, lag es auf der Hand, beides zu vereinen. Der einzige Unterschied zwischen beiden Disziplinen lag darin, dass im THS-Geländelauf die Streckenlänge exakt eingehalten werden musste. In der Praxis stellte das die Veranstalter häufig vor Probleme, weil entweder Strecken aufwendig verlegt werden mussten, weil sie zu kurz waren, oder es wurden falsche Angaben zur Streckenlänge gemacht. Insofern ist die Einigung auf Streckenbereiche eine positive Weiterentwicklung. Ab 2025 umfasst die Sprintstrecke alles zwischen 400 m und 1.000 m, die Kurzstrecke liegt zwischen einer Länge von größer 1.000 m bis zu 4.000 m und die Langstrecke ist in einem Bereich ab 4.000 m bis maximal 8.000 m.
Auch in Bezug auf das Labeling wollte man mehr Klarheit schaffen, weil der Begriff CaniCross seither häufig als Dachmarke und als Einzeldisziplin zugleich verwendet wurde. Die Dachmarke wird zukünftig CaniCross sein und die Einzeldisziplinen heißen Geländelauf, Dogscooter und Bikejöring mit dem Hund. Mehrere Hunde als ein Gespann sind im VDH ausgeschlossen.
Darüber hinaus gibt es noch viele weitere Präzisierungen und Gestaltungsmöglichkeiten. Auf eine will ich hier noch eingehen und das ist eine neue, spezielle Vorprüfung für die CaniCross-Disziplinen. Damit wird das Ziel verfolgt, dass die Hunde den Anforderungen brenzliger Wettkampfsituationen auch wirklich gerecht werden. Die geforderten Aufgaben (acht in Summe) haben durchaus Anspruch. Dazu zählen u.a. Begegnungsverkehr mit anderen Teams, Wenden und Abbiegen trotz Verleitung.
PARA-ATHLETIK MIT HUNDDie PARA-Athletik umfasst alle Teams, deren Hundehaltern
Einschränkungen im Sinne des SGB IX haben. Sie wird in vier Wertungsklassen unterschieden:
- Rollstuhlfahrer
- Rollstuhlfahrer mit Elektroantrieb
- Personen mit Behinderung durch Amputation oder Fehlbildung bzw. Fehlfunktion der Gliedmaßen
- Sehbehinderte Personen mit bzw. ohne Begleiter
Die wesentlichen Änderungen in den Stadiondisziplinen sind jetzt, dass nicht nur Fehlerpunkte gewertet werden, sondern es auch nach Zeit geht. Man einigte sich für den VK zudem darauf, dass nur noch die Anforderungen des VK 2 angeboten werden.
FAZITIn der Bewertung der Änderungen wird häufig der Fehler gemacht, dass man einzelne Bestandteile herauspickt und diese für seinen aktuellen Hund bewertet, ohne auf die Gesamtwirkung für den Sport zu achten. Ich bin nicht mit allen Änderungen glücklich, es hat aber viele wichtige Weichenstellungen gegeben. Von Seiten der PO sind die Hausaufgaben in Richtung Zukunftsfähigkeit gemacht, da gibt es nicht mehr viel Luft für Optimierungen. Im zweiten und dritten Schritt wird jetzt entscheidend sein, inwieweit die Digitalisierung und Internationalisierung voranschreitet. Mit einer digitalen Leistungsurkunde könnten die Wettkämpfe um 1,5 bis 2 Stunden verkürzt werden. Das wäre ein echter Gamechanger. Und für die Top-Teams wäre die Option international zu starten ebenso wichtig, bevor sie sich anderen Sportarten zuwenden.
ALBRECHT HEIDINGER