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    Die Lena-Lustig-Kolumne

Was ziehe ich heute an?

Ein Geschirr oder ein Halsband?

Wenn es ums Spazierengehen geht, bin ich gerne gut gekleidet. Ich trage nahezu immer, wie fast alle Rudelmitglieder, ein hübsches, gut gepolstertes Halsband, meist mit einem liebevollen Schriftzug versehen.
Illustrationen: Anneke Freudenberger
Die große Frage, die die Menschen jedoch oft beschäftigt, insbesondere wenn der Hund noch jung ist: „Halsband oder Geschirr?“ Ich will euch aus meiner Sicht erzählen, was ich davon halte und warum es nicht nur eine modische Frage ist.

Zunächst: Egal, ob Halsband oder Geschirr, das Ziehen an der Leine hängt nicht davon ab, was ich trage, sondern davon, wie und was wir gemeinsam trainieren. Mein Outfit ersetzt nicht das Training, das ist sehr wichtig im Hinterkopf zu behalten. Manchmal kommt es vor, dass wir Hunde lieber ein Geschirr tragen, anstatt eines Halsbands.

Ich finde ein Geschirr besonders nützlich, wenn meine Kollegen sehr aufgeregt sind und wenn sie viel in Bewegung sind, sie sehr gerne springen oder noch nicht so gut die Leinenführung ver­stehen. Wenn meine Freunde aus dem Tierschutz kommen oder etwas ängstlich sind, und auch bei sehr jungen Hunden. Für diese Situationen gibt ein gutsitzendes Geschirr ein zusätzliches Sicherheitsgefühl.

Wenn mich Freund Farrell beim Spaziergang wie ein Flummi begrüßt, weil ihn alles interessiert und er gar nicht schnell genug alles auffassen kann, dann ist ein Geschirr oft für ihn angenehmer.

Meine Gedanken zu einem Halsband:
Ein Halsband ist durchaus in Ordnung, wenn es gut passt, und das ist bei den meisten Halsbändern der Fall. Ich habe eine ziemlich kräftige Halsmuskulatur, einen kurzen und breiten Hals, deshalb ist ein breit gepolstertes Halsband für mich gut, es verteilt den Druck (falls ich doch mal in die Leine renne, das ist früher hin und wieder mal passiert, heute laufe ich nahezu immer ohne Leine) sehr gut. Solange der Verschluss korrekt liegt und nicht drückt, ist das ein praktisches (und worauf ich Wert lege) ein sehr hübsches Accessoire.

Was für mich ein gutes Halsband ausmacht:
Die Breite des Halsbandes, damit der Druck nicht auf eine winzige Fläche fällt, sowie ein weiches und trotzdem stabiles Material ist im Sport von großem Vorteil.

Wenn ich Nackenprobleme hätte und keinen Sport ausüben könnte, würde ich jedoch lieber ein Geschirr tragen. Denn ein Geschirr kann großartig, auch unabhängig von Thematiken an der HWS sein, aber nur dann, wenn es gut sitzt. Ich sehe viele Hunde mit zu engen oder falsch eingestellten Geschirren. Das kann die Atmung behindern, das Gangbild und die BWS verändern. Wissenschaftlich weiß man, dass unsere Schulterblätter bei jeder Bewegung eine große Rolle spielen. Wenn das Geschirr dort einschränkt, ist das nicht gut. Genauso sollte ein Brustgurt so gestaltet sein, dass es mich nicht einengt, sondern mir Bewegungsfreiheit lässt.

Worauf ich bei einem Geschirr besonders achte:
  • Alle Riemen sollten breit, weich und verstellbar sein.
  • Mein Brustbein braucht eine angenehme Auflagefläche.
  • An den Achseln soll nichts reiben und der Gurt sollte nicht bei jedem Schritt an meinen Ellenbogen anschlagen.
  • Meine Schultern müssen frei beweglich bleiben.

Fotos: Anneke Freudenberger

Hier einige Geschirrtypen, die ich kenne und in Kürze vorstellen möchte:

Das Y-Geschirr
Das Geschirr liegt vorn am Brustbein, drückt nicht auf meine Luftröhre, die Schulterblätter können sich gut bewegen. Es bildet auf Brust und Rücken ein Y.

Vorteile:
  • Keine Belastung von Luftröhre oder Kehlkopf.
  • Es ist sehr ausbruchssicher.
  • Eine freie Schulterbewegung ist gegeben.
Nachteile:
  • Es kann bei schmalem Brustkorb seitlich verrutschen.
  • Der Steg kann sich unter Zug verschieben und Druck in der Achsel erzeugen.
  • Das Material kann scheuern.
  • Die Schulterriemen sind oft nur begrenzt anpassbar.

Das H-Geschirr
Hier gibt es viele Verstellpunkte, oft mit einem Ring vorne fürs Training. Vorsicht: Der Halsriemen muss sitzen, sonst kann es unangenehm werden. Es ist ein weit verbreitetes Modell mit Rückensteg und zwei Riemenschlaufen.

Vorteile:
  • Es bietet eine hohe Bewegungsfreiheit im Schulterbereich.
  • Es ist häufig mit zusätzlichem Front-Ring zur Unterstützung des Leinentrainings ausgestattet.
Nachteile:
  • Der Halsgurt kann bei falscher Einstellung drücken.
  • Die vielen Verstellpunkte erfordern ein sorgfältiges Anpassen.
  • Die zu schmalen Riemen können schmerzhaften Druck erzeugen.

Das Norwegergeschirr
Es ist zwar einfach anzulegen, aber der Quergurt kann meine Schulterbewegung stören, daher ist das Geschirr nicht ideal. Es ist nicht empfehlenswert, da es die Bewegung aus der Schulter heraus sehr stört und man immer „gegen“ das Geschirr läuft. Es kann einen Schaden anrichten, zudem ist es unbequem.

Vorteile:
  • Ob es Vorteile gibt. Ich denke eher nicht.
Nachteile:
  • Querbrustgurt behindert die natürliche Schulterbewegung.
  • Es neigt zum Verrutschen.
  • Es kann Druck auf die Dornfortsätze der Wirbelsäule ausüben.
  • Es ist ungünstig für ängstliche oder unruhige Hunde.
Das Sattelgeschirr
Es ist sehr robust, besonders für sportliche Aktivitäten, aber nicht immer perfekt einstellbar und ebenfalls nicht empfehlenswert, da der Sattel stört und das Geschirr zu wenig Bewegungsfreiheit an den Schultern mit sich bringt. Unter dem Sattel kann es auch zu warm werden und ganz schön miefen. Es ist ähnlich dem Norwegergeschirr, jedoch mit breiter Rückenplatte.

Nachteile:
  • Es kann ebenfalls zu Einschränkungen der vorderen Extremitäten führen.
  • Es bildet sich ein Wärme- und Feuchtigkeitsstau.
  • Es gibt wenige Anpassungsmöglichkeiten.
  • Ein Verrutschen ist möglich.

Das Sicherheitsgeschirr
Es ist oftmals bei sehr ängstlichen Hunden von großem Wert, da diese sehr sicher durch den Extra-Gurt im Geschirr gehalten werden.

Rassegeschirre
Da wir Hunde alle verschieden gebaut sind, gibt es für schmale, breite oder kurznackige Hunde maßgeschneiderte Mode. Für besondere Körperformen gibt es Spezialmodelle, z. B.: kurzrückige Geschirre für Möpse und Geschirre für Hunde mit breiter Brust.

Mein Fazit
Es gibt kein „entweder – oder“, das für alle Hunde gleich gut ist. Für mich zählt vor allem: Passt es gut? Sitzt es bequem? Fühle ich mich wohl? Wenn das der Fall ist, ist beides, ein Halsband oder ein Geschirr, völlig in Ordnung.

Liebe Hundefreunde:
Nehmt euch Zeit, wählt sorgfältig und testet, wie sich meine Freunde darin bewegen, denn dann stehen unseren gemeinsamen Spaziergängen nichts mehr im Weg und diese finden dann nicht nur unter dem Motto „Sicherheit“ statt, sondern der Spaßfaktor ist ebenfalls mit im Spiel.

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