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    GHS Szene

FCI-WM der Fährtenhunde 2025

in Rohrbach-Berg (Österreich)

Das deutsche Team wird Mannschaftsweltmeister – Martin Rodzoch erringt mit seinem English Cocker Spaniel Peter Maffay vom Schloßberg in der Einzel­wertung Platz 1 – damit den Titel Weltmeister, Anastazija Rühlemann erklimmt mit ihrem DS Adam v.d. Malafelsen das Treppchen auf Platz 3 und Marco Apitz erreicht Platz 8 mit seiner Bayleah v. Magna Pesna.
Ana im Winkel Fotos: Dieter und Christa Bremer, Daniela Apitz
Ana auf der 2. Fährte
Ana im spitzen Winkel
Ana hat die letzte Fährte beendet und jetzt wird Chip-Kontrolle gemacht.
Besprechung LR Klein – Fährte des vorigen Starters – Marco sitzt mitten im Fährtengelände und wartet auf seinen Eins. zur. 2. Fährte
Marcos Fährtengruppe Fotos: Dieter und Christa Bremer, Daniela Apitz
Marco b.d. Fährtenauslosung
Marco Rückweg 1. Fährte
Bespr. LR Glüh – 1. Fährte Marco
Marco bergauf
Marco bergab
Marco setzt an
Marco auf der Fährte
Emily Lawrence DVG LV America (Member of the US Team)
Martins 1. Fährte Foto: Stefanie Loidl

Das war spitze!

Insgesamt stellten sich 22 Nationen mit 54 Hunden dem Wettkampf (von denen während der Veranstaltung 3 ausfielen).
An Gesamtergebnissen wurden erreicht:
2 x Vorzüglich
9 x Sehr Gut
20 Gut
6 x Befriedigend
14 x Mangelhaft
Nimmt man das deutsche Team: 1 x V, 2 SG – war es am Ende durch Martins und Marcos Ergebnisse auch noch der Titel Team-­Weltmeister.
Fährtenformen unseres Teams Fotos: Dieter und Christa Bremer, Daniela Apitz
Ich bin immer noch sehr stolz auf die gezeigten Leistungen unseres Teams, aber insbesondere auch, wie achtsam sie mit ihren Hunden umgingen. Das deutsche Team war so hervorragend vorbereitet und die Hundeführer konnten die Leistungen, die sie mit ihren Hunden auf der VDH-DM FH erzielt hatten, fast 1:1 abrufen.

Auch andere Nationen anerkannten diese Leistungen. Diese WM stellte hohe Anforderungen an Mensch und Hund. Es waren nicht nur die satten Wiesen (die bei unserer Ankunft durch viel Regen in den Senken noch kleine, wenn auch niedrige Seen darstellten). Das Team war fleißig, da der Veranstalter jedem Team eine Trainingsfläche zugewiesen hatte, wurde diese immer in Absprache untereinander für kleine Trainingseinheiten aufgeteilt und entsprechend dem Anforderungsprofil genutzt. Wir hatten das Glück, dass die Fläche, die eigentlich für alle drei Starter reichen sollte, überwiegend nur von 2 Startern genutzt werden konnte, da Anastazija die Trainingsfläche des kroatischen Teams nutzen durfte, da dieses wiederum in CZ übte. Jedenfalls konnte so jeder seinen Hund auf die unterschiedliche Beschaffenheit des Geländes einstellen, allerdings nicht unbedingt extrem steil bergauf, dann wieder bergab, dennoch quer zum Hang oder in der Senke war möglich, so konnte die Aufmerksamkeit auf Besonderheiten geweckt werden. Alle legten nie komplette Fährten, aber durchaus gerade die Elemente, die sie entsprechend der Anforderungen als wichtig erachteten, z. B., weil ein Hund mal irritiert sein könnte, da er ein Gelände in dieser Form, wie das Mühlviertel es vorrätig hielt, gar nicht kennt. Es waren nicht unbedingt die Temperaturen, der Wind oder Regen, das gab es alles von 3 Grad bei Wind und Regen auf 17 Grad pralle Sonne bei zunächst pitschnassen Wiesen und dann richtig abgetrockneten Wiesen, besonders an den Rändern, an deren Nähe häufig auch der Ansatz war. Aber je nach Lage und zusätzlichem Wind waren da die extremen Höhenunterschieden und die konnten nicht zu Hause trainiert werden, da wurde auch an freien Tagen mal Konditionstraining eingelegt.

Dieser sorgsame Umgang mit den Hunden, diese nicht zu überfordern, zahlte sich aus. Auch die gelegten Fährtenformen sahen z. T. anders aus – selbstverständlich PO-gerecht – aber durch die Geländebeschaffenheit durchaus abweichend zu dem, was man bei uns kennt und übt.

Was man nicht üben konnte, was aber ein pressewirksamer Beginn der Veranstaltung war, dass alle Teams mit ihren Hunden, begleitet von Grundschulkindern, die das jeweilige Nationenschuld trugen, angeführt von einem österreichischen Musikkorps einen Umzug durch die Stadt machten, der auf dem zentralen Platz vor der Gemeindeverwaltung endete. Dort wurden alle Nationen vom Bürgermeister der Gemeinde Rohrbach begrüßt, weitere Ansprachen folgten und letztlich konnte der Vize des OEKV, Robert Markschläger, nicht nur der Stadt, den vielen Landwirten, Jagdeignern und -pächtern, die ihre Wiesen im Umkreis von 50 km zur Verfügung gestellt hatten, danken, sondern auch den Mitgliedern des ausrichtenden Vereins SVÖ Rohrbach-Berg, die diese Veranstaltung nicht nur mit Herzblut, sondern auch mit Kompetenz in der Vorbereitung und Durchführung zu einem unvergesslichen Erlebnis machten.

Zurück auf dem SVÖ-Platz folgten dann die allgemeinen Regularien, die bei einer solchen Großveranstaltung unvermeidbar sind, u. a. die Veterinärkontrolle, die sehr gründlich, nicht nur mit Chipkontrolle erledigt war, sondern auch Herz und Lunge wurden abgehorcht. Viele waren überrascht, aber am nächsten Tag war uns schon klar, warum dieser Part zum sog. „Vet-Check“ gehörte.

Abends war Auslosung und unser Team konnte losen. Ich hatte die Möglichkeit, die Hundeführer zu allen Fährten zu begleiten und konnte mir ein gutes Bild von ihren Leistungen und auch bzgl. der Bewertungen machen.

Als Richter amtierten Barba Kühn aus Italien (Südtirol) und Klaus-­Jürgen Glüh (Deutschland). Um es nur am Rande zu erwähnen, Klaus-Jürgen kommt aus Hamburg, ist also ein absoluter „Flachländer“, er meisterte die vielen Kilometer und Höhenunterschiede, als wäre es sein tägliches Brot. Barbara Kühn war konditionell ebenfalls gut drauf, allerdings am letzten Tag merkte man, dass die Kondition weniger wurde. Klaus-Jürgen kennen wir alle als Richter und Hundeführer im Fährtenbereich, dort führt er auch bis zur DVG-BSP erfolgreich seinen Malinois. Seine Bewertungen waren klar, nachvollziehbar und die Wertnote entsprach den Anmerkungen. Barbara Kühns Kommentare waren sehr ausschweifend und manchmal war man überrascht, was sie denn da wohl gesehen hatte, auch im Endergebnis war es nicht immer so, wie wir es gesehen hätten, dass wir eher ein V, als das z. B. vergebene SG gesehen haben.
Konvoi durch Rohrbach Fotos: Dieter und Christa Bremer, Daniela Apitz
Konvoi durch Rohrbach Fotos: Dieter und Christa Bremer, Daniela Apitz
Wie extrem die Belastungen auch für die Hundeführer*innen in der Prüfung waren, zeigte sich gleich am ersten Tag. Eine amerikanische Starterin, die auf Grund eines sehr steilen Schenkels selbst keine Luft mehr bekam, erbat Erlaubnis für eine kurze Pause und setzte sich auf die Wiese, dann versuchte sie erneut dem Hund zu folgen, um dann abzufragen, ob sie die Leine loslassen dürfe, wenn der Hund einen Gegenstand anzeige, dann die Erlaubnis vom LR zu bekommen, direkt zum Hund zu gehen. Es wurde genehmigt, der Hund kam ans Ziel mit einem guten Ergebnis. Das machte die Runde und Martin Rodzoch hatte Dienstag als erster unserer drei Starter zu zeigen, was das Team so konnte.

Schon der Weg vom zugewiesenen Parkplatz bis zum Abgangsschild löste bei einigen Hustenattacken aus, da Luftmangel herrschte und dann sahen wir die Fährtenskizze. Ein Querschenkel, der dann in einen Winkel mündete, der hoch auf den Berg ging. Die Fährte war so gut einsichtig, dass man sie komplett von unterhalb des Querschenkels verfolgen konnte. Es gab eine Menge Zuschauer, die natürlich an der Fährte eines „solchen Exoten – immerhin ist der English Cocker Spaniel ein ausgesprochener Jagdhund“ – sehen wollte. Alle waren begeistert und auch überrascht, das Martin auch nach Absuchen der Fährte noch bei Puste war. Dann kam das Ergebnis 98 Punkte!

Wie ich bereits sagte, unser Team hatte gut gelost, jeder Hundeführer hatte immer einen Tag zwischen der ersten und zweiten Fährte, so konnten beide wieder eine gute Kondition erreichen.

Der Mittwoch hatte für die A-Gruppen bei Klaus-Jürgen Glüh die beiden weiteren Teams Anastazija mit Adam und in einer späteren Gruppe Marco mit Bayleah. Adam zeigte sich sehr souverän in der Fährtenarbeit und erzielte in der ersten Fährte 98 Punkte. Martin hatte deutlich gesagt, mit dem Ergebnis, was ich in der 1. Fährte erreicht habe, möchte ich schon gern auch in der 2. Fährte glänzen, ich bin hierhergekommen, um Weltmeister zu werden. Marco Apitz war dann in der Folgegruppe und Bayleah war hochmotiviert, arbeitete wirklich intensiv, überlief – aus welchen Gründen auch immer – 2 Gegenstände. Weder Marco noch der LR hatten dafür eine Begründung parat, zumal in der Richterbesprechung ausdrücklich gesagt wurde, wie exakt die Hündin den Fährtenverlauf erarbeitete, überzeugende Arbeit an den Winkeln und im Bogen und auch die sichere Anzeige der Verleitung waren korrekt, obwohl es insgesamt eine sehr ungewöhnliche Fährtenform war. Ergebnis 91 Punkte.

Donnerstag absolvierte das Team Martin und Maffay die zweite Fährte, natürlich wieder Wiese, aber nicht ganz so steile Hänge, wir lernten, dass das Gelände so genutzt wurde, wie es PO-gerecht noch vertretbar war. Wurde die erste Fährte von Klaus-Jürgen bewertet, so war es LR Barbara Kühn, die die 2. Fährte ebenfalls mit 98 Punkten bewertete. 196 Punkte, die Latte lag richtig hoch und was wir bisher gesehen hatten, gab es zwar Teams, die das erreichen konnten, aber es hieß abzuwarten. (In direkter Konkurrenz stand Anastazija).

Der Freitag war dann wieder der Tag an dem Anastazija und Marco mit den Hunden die 2. Fährte abzusuchen hatten. Anastazija und Adam erzielten in der 2. Fährte 93 Punkte im Gesamt­ergebnis 191 Punkte. Das wurde letztlich Platz 3 in der Gesamtwertung. Geht man davon aus, dass Anastazija als Reservestarter gemeldet war und durch einige Ausfälle im Vorfeld, der Veranstalter allen gemeldeten Reservestartern, die vor Ort waren, die Möglichkeit gab, als Starter in die Einzelwertung zu kommen, sieht man, wie hoch die Leistungsdichte in Deutschland bei den Fährtenhunden ist. Lt. FCI-­Regelwerk dürfen allerdings die Punkte, die ein „Reservestarter“ erarbeitet, nicht in die Mannschaftswertung einfließen.

Marco schloss dann mit Bayleah, für unser Team, die 2. Fährtenarbeit mit 94 Punkten ab. Hier war nicht nur Marco, sondern auch wir Zuschauer irritiert, (immerhin lag sein Ansatz mittig zwischen 3 Fährten und er wurde gebeten, sich dorthin zu begeben, sobald ersichtlich war, dass es zur Besprechung der in dieser Gruppe 1. Fährte kam), er hatte die 2. Fährte, nicht selbst die eigene Fährte zu kreuzen war schon eine Aktion. Wir Zuschauer hatten nur sehr geringfügige Kleinigkeiten gesehen und waren über das vergebene SG überrascht, wir hatten eigentlich ein V erwartet. Mit diesem Ergebnis war dann aber trotzdem sicher, dass das deutsche Team auch den Titel Team-Weltmeister erreicht hatte. (Es sei denn, es würde noch ein Starter*in 100 Punkte erreichen.)

Wir hatten auch neben den Trainings und den eigentlichen Fährten sehr angenehmen Kontakt miteinander. Abends gingen wir regelmäßig fast alle miteinander essen, manchmal tranken wir gemeinsam am Nachmittag zusammen einen Kaffee. Jedenfalls war da immer Zeit den Tag Revue passieren zu lassen, man lernte sich noch besser kennen.

Es war eine interessante Zeit miteinander, das Team hat den VDH hervorragend bei der WM vertreten und die LR bei unserer VDH-DM-FH haben die richtigen Teams für die Starts in Österreich ausgesucht, wie die erbrachten Leistungen zeigen.

Im Jahr 2026 wird die Slowakei Ausrichter der WM der Fährtenhunde sein, Peter Lengvarski wurde bei der Siegerehrung bereits die FCI-Fahne übergeben.

CHRISTA BREMER, TEAMLEITUNG
Einmarsch zur Siegerehrung Fotos: Dieter und Christa Bremer, Daniela Apitz
Vize OEKV Rob. Markschläger eröffnet die Siegerehrung
Die Weltmeister: Martin und Peter Maffay v. Schloßberg Foto: Stefanie Loidl
Das deutsche Team ist Team-Weltmeister
Dank an die LR
Dank an die Fährtenleger