Wie extrem die Belastungen auch für die Hundeführer*innen in der Prüfung waren, zeigte sich gleich am ersten Tag. Eine amerikanische Starterin, die auf Grund eines sehr steilen Schenkels selbst keine Luft mehr bekam, erbat Erlaubnis für eine kurze Pause und setzte sich auf die Wiese, dann versuchte sie erneut dem Hund zu folgen, um dann abzufragen, ob sie die Leine loslassen dürfe, wenn der Hund einen Gegenstand anzeige, dann die Erlaubnis vom LR zu bekommen, direkt zum Hund zu gehen. Es wurde genehmigt, der Hund kam ans Ziel mit einem guten Ergebnis. Das machte die Runde und Martin Rodzoch hatte Dienstag als erster unserer drei Starter zu zeigen, was das Team so konnte.
Schon der Weg vom zugewiesenen Parkplatz bis zum Abgangsschild löste bei einigen Hustenattacken aus, da Luftmangel herrschte und dann sahen wir die Fährtenskizze. Ein Querschenkel, der dann in einen Winkel mündete, der hoch auf den Berg ging. Die Fährte war so gut einsichtig, dass man sie komplett von unterhalb des Querschenkels verfolgen konnte. Es gab eine Menge Zuschauer, die natürlich an der Fährte eines „solchen Exoten – immerhin ist der English Cocker Spaniel ein ausgesprochener Jagdhund“ – sehen wollte. Alle waren begeistert und auch überrascht, das Martin auch nach Absuchen der Fährte noch bei Puste war. Dann kam das Ergebnis 98 Punkte!
Wie ich bereits sagte, unser Team hatte gut gelost, jeder Hundeführer hatte immer einen Tag zwischen der ersten und zweiten Fährte, so konnten beide wieder eine gute Kondition erreichen.
Der Mittwoch hatte für die A-Gruppen bei Klaus-Jürgen Glüh die beiden weiteren Teams Anastazija mit Adam und in einer späteren Gruppe Marco mit Bayleah. Adam zeigte sich sehr souverän in der Fährtenarbeit und erzielte in der ersten Fährte 98 Punkte. Martin hatte deutlich gesagt, mit dem Ergebnis, was ich in der 1. Fährte erreicht habe, möchte ich schon gern auch in der 2. Fährte glänzen, ich bin hierhergekommen, um Weltmeister zu werden. Marco Apitz war dann in der Folgegruppe und Bayleah war hochmotiviert, arbeitete wirklich intensiv, überlief – aus welchen Gründen auch immer – 2 Gegenstände. Weder Marco noch der LR hatten dafür eine Begründung parat, zumal in der Richterbesprechung ausdrücklich gesagt wurde, wie exakt die Hündin den Fährtenverlauf erarbeitete, überzeugende Arbeit an den Winkeln und im Bogen und auch die sichere Anzeige der Verleitung waren korrekt, obwohl es insgesamt eine sehr ungewöhnliche Fährtenform war. Ergebnis 91 Punkte.
Donnerstag absolvierte das Team Martin und Maffay die zweite Fährte, natürlich wieder Wiese, aber nicht ganz so steile Hänge, wir lernten, dass das Gelände so genutzt wurde, wie es PO-gerecht noch vertretbar war. Wurde die erste Fährte von Klaus-Jürgen bewertet, so war es LR Barbara Kühn, die die 2. Fährte ebenfalls mit 98 Punkten bewertete. 196 Punkte, die Latte lag richtig hoch und was wir bisher gesehen hatten, gab es zwar Teams, die das erreichen konnten, aber es hieß abzuwarten. (In direkter Konkurrenz stand Anastazija).
Der Freitag war dann wieder der Tag an dem Anastazija und Marco mit den Hunden die 2. Fährte abzusuchen hatten. Anastazija und Adam erzielten in der 2. Fährte 93 Punkte im Gesamtergebnis 191 Punkte. Das wurde letztlich Platz 3 in der Gesamtwertung. Geht man davon aus, dass Anastazija als Reservestarter gemeldet war und durch einige Ausfälle im Vorfeld, der Veranstalter allen gemeldeten Reservestartern, die vor Ort waren, die Möglichkeit gab, als Starter in die Einzelwertung zu kommen, sieht man, wie hoch die Leistungsdichte in Deutschland bei den Fährtenhunden ist. Lt. FCI-Regelwerk dürfen allerdings die Punkte, die ein „Reservestarter“ erarbeitet, nicht in die Mannschaftswertung einfließen.
Marco schloss dann mit Bayleah, für unser Team, die 2. Fährtenarbeit mit 94 Punkten ab. Hier war nicht nur Marco, sondern auch wir Zuschauer irritiert, (immerhin lag sein Ansatz mittig zwischen 3 Fährten und er wurde gebeten, sich dorthin zu begeben, sobald ersichtlich war, dass es zur Besprechung der in dieser Gruppe 1. Fährte kam), er hatte die 2. Fährte, nicht selbst die eigene Fährte zu kreuzen war schon eine Aktion. Wir Zuschauer hatten nur sehr geringfügige Kleinigkeiten gesehen und waren über das vergebene SG überrascht, wir hatten eigentlich ein V erwartet. Mit diesem Ergebnis war dann aber trotzdem sicher, dass das deutsche Team auch den Titel Team-Weltmeister erreicht hatte. (Es sei denn, es würde noch ein Starter*in 100 Punkte erreichen.)
Wir hatten auch neben den Trainings und den eigentlichen Fährten sehr angenehmen Kontakt miteinander. Abends gingen wir regelmäßig fast alle miteinander essen, manchmal tranken wir gemeinsam am Nachmittag zusammen einen Kaffee. Jedenfalls war da immer Zeit den Tag Revue passieren zu lassen, man lernte sich noch besser kennen.
Es war eine interessante Zeit miteinander, das Team hat den VDH hervorragend bei der WM vertreten und die LR bei unserer VDH-DM-FH haben die richtigen Teams für die Starts in Österreich ausgesucht, wie die erbrachten Leistungen zeigen.
Im Jahr 2026 wird die Slowakei Ausrichter der WM der Fährtenhunde sein, Peter Lengvarski wurde bei der Siegerehrung bereits die FCI-Fahne übergeben.
CHRISTA BREMER, TEAMLEITUNG