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Zughundesport

Unfassbar vielseitig!

Canicross, Bikejöring, Dogscootering, Dogtrekking/Doghiking, Skijöring, Schlittenhundesport und sogar Bollerwagenziehen gehören zum überaus vielseitigen Zughundesport. Dabei kommt jeder Hund auf seine Kosten, der Fitness, Lauffreude und ausreichend Kraft vereint. Einigen Rassen, wie zum Beispiel dem starken Berner Sennenhund, liegt das Ziehen von Lasten seit jeher im Blut.
Fotos: DVG Archiv
Zughundesport hat viele Facetten. Dazu zählen verschiedene Zughundesportarten, deren Ursprung im Wagenziehen oder Schlittenhundesport liegt. Dabei variiert die Hunderasse — wie auch die Anzahl der Hunde. Ausschlaggebend ist allein der Lauf- und Arbeitswille der Vierbeiner. Zu den unterschiedlichen Zugvarianten zählen Sportarten wie Canicross, Bikejöring, Dogscootering und Dogtrekking/Doghiking. Auch die Disziplin Hundewagen/Bollerwagen ist beliebt. Nicht zu vergessen, das Skijöring und natürlich der Schlittenhundesport.

Die rasanten Schlittenhunderennen der Musher Kanadas gelten – neben dem Wagenziehen – als Ursprung des modernen Zughunde­sports. Deshalb verwundert es nicht, dass – trotz aller Rasse-Offenheit – es doch oft nordische Hunderassen wie Siberian Huskys und Alaskan Malamutes sind, die beim Zughundesport hervorstechen. Sie bringen alle Voraussetzungen mit, die ein Vierbeiner beim Ziehen von Lasten braucht. Nicht nur die Freude am Laufen und Ziehen ist ihnen angeboren … – Diese Hunde zeichnen sich zudem durch Ausdauer, Robustheit, Anspruchs­losigkeit und Wendigkeit aus. Wobei man insbesondere beim Canicross, auch zahlreiche andere Hunderassen sieht, die einen Jogger ziehen. Auch beim Ziehen des Fahrrads, dem Bikejöring, gibt es mehr Rassenvielfalt.

Fitness-Check
Unabhängig von der Rasse: Eine stabile Gesundheit ist eine wichtige Voraussetzung für diesen anspruchsvollen Sport. Eine Überprüfung des Herz-Kreislaufsystems und des Allgemeinzustands durch einen Tierarzt ist auf jeden Fall anzuraten, bevor es ans Training geht. Für den Zughundesport sollte der Hund ausgewachsen sein.

Desire to go
Das so genannte „desire to go“, das Vergnügen am Laufen, ist eine typische Eigenschaft erfolgreicher Zughunde, die das Vierfache ihres eigenen Körpergewichts ziehen können. Um eine solche Belastung dauerhaft mit Freude zu bewältigen, bedarf es einer Veranlagung für diesen Sport. Ansonsten ist es schwer, den Hund auf Dauer zu motivieren. Das Gesamtgewicht des Gefährts, die Anspannart und auch das Gewicht des Menschen, der das Gefährt steuert, sind wichtige Faktoren, die es beim Zughundesport zu beachten gilt. All das sollte an die individuellen Fähigkeiten des Hundes angepasst werden.

Gesundheit im Blick
Auch die Beschaffenheit des Bodens spielt eine Rolle bei diesem Sport. Der federnde, aber auch nicht zu weiche Boden von Wäldern und Wiesen erhöht zwar die Reibungskräfte und erschwert somit das Ziehen des Gefährts, aber er ist weitaus schonender für die Sehnen und Gelenke der Hunde als glatte Böden mit einer harten Beschaffenheit. Die regelmäßige Pflege der Pfoten und gegebenenfalls auch der Einsatz von Booties, speziellen Hundeschuhen, ist sinnvoll, wenn man mit seinem Hund dauerhaft schnellen Zughundesport betreibt. Auch der Blick auf das Wetter ist unerlässlich, wenn Zughunde­sport hundefreundlich betrieben wird. Denn die Außentemperaturen und die Luftfeuchtigkeit wirken sich direkt auf die Belastbarkeit des Hundes aus. Sommerliche Temperaturen über 15 Grad und eine hohe Luftfeuchtigkeit sind ungeeignet, um die Hunde zu trainieren. Bei Überhitzung droht sogar ein lebensgefährlicher Kreislaufzusammenbruch. Generell sollte darauf geachtet werden, dass der Vierbeiner ausreichend trinkt und Gelegenheit hat, sich zu lösen.
Schutz der Karrenhunde
Hunde mussten im Laufe der Geschichte viele Lasten ziehen. Dabei stand ihre Gesundheit lange Zeit nicht im Fokus. Das änderte sich erstmals im Jahr 1822 als in Preußen eine Verordnung zum Schutz der Karrenhunde erlassen wurde: „Das Anspannen schwacher, kleiner Hunde, wie Pudel-, Spitz-, kleine Jagd- und Schäferhunde bleibt bei Strafe von 1 bis 5 Thalern unbedingt verboten, wogegen große, starke Hunde, Docken (Doggen), große Jagd- und Fleischerhunde zum Anspannen benutzt werden dürfen. Diese müssen aber, wenn sie eingespannt oder an öffentlichen Orten an ihrem Fuhrwerk befestigt sind, vom Tage der Publikation dieser Verordnung an mit einem Maulkorbe von Blech oder Eisendraht versehen seyn, der geräumig genug ist und dem Hund das freie Atmen und das Abkühlen der Zunge gestattet und durchaus das Beißen unmöglich macht. Königl. Preuß. Regierung.“

Dog Sledding
Schon lange bevor die Europäer Nordamerika erreichten, nutzten die im hohen Norden lebenden First Nations People im Winter Zughunde, um ihre Lasten durch den Schnee zu transportieren. Europäische Entdecker und Händler adaptierten diese Technik und verbesserten die Schlitten und weiteres Equipment mit der Zeit, um eine höhere Effizienz zu gewährleisten. Französische Einwanderer verwendeten im Yukon Territory das Kommando „Marche!“, um ihre Zughunde in Bewegung zu versetzen. Aus dem französischen Wort für „Lauf!“ entwickelte sich der Begriff „Mush“.
Zwei Anspannarten
Beim Zughundesport unterscheidet man vor allem zwei Anspann­arten: die Seil-Anspannung und die Pulka-Anspannung. Welche Anspannung gewählt wird, hängt in der Regel von der Art des Zughundesports ab. Beim Bikejöring, Canicross und Dog-Scooting sieht man vor allem Seil-Anspannungen. Der Hund ist direkt mit dem Gefährt oder dem Jogger verbunden. Um die Sicherheit und den Komfort zu erhöhen, kommen Zugseile mit Ruckdämpfer und spezielle Führungsstangen zum Einsatz, die ein Verheddern des Seils verhindern.

Die Sportart Sacco-Cart und Fahrten mit einem Trike-Gespann gehen mit einer Pulka-Anspannung und einem Zugbügel über dem Hund einher. Diese besteht aus einem speziellen Geschirr mit dem der Hund an eine mittlere oder zwei äußere Führungsstangen, der Einspännerschere, angeschirrt wird. Bei Leiterwagen findet eine Zweispännerdeichsel Verwendung, die den gleichzeitigen Einsatz mehrerer Hunde ermöglicht.

Kommandos
Beim Zughundesport kommuniziert der Mensch über Kommandos mit seinen Hunden. Diese Kommandos müssen sicher befolgt werden, um riskante Situationen oder gar Unfälle zu verhindern. Schließlich geht es auch darum, mögliche Spaziergänger und andere Passanten vor Zwischenfällen zu schützen. Ein einzelner Zughund lässt sich in der Regel noch vom Zughundeführer abbremsen, ab zwei Zughunden kann sich das schwierig gestalten, wenn diese nicht auf die Kommandos des Zugführers reagieren.

Musher bedienen sich in der Regel englischsprachiger Kommandos. Dazu gehören:
Gee: Rechts
Haw: Links
Over haw: Links vorbei (Hindernis links umfahren)
Over gee: Rechts vorbei (Hindernis rechts umfahren)
Come Gee: Wenden rechts (180-Grad-Wendung des Gespanns)
Come Haw: Wenden links (180-Grad-Wendung des Gespanns)
Stop oder Whoa: Stopp/Halt!
Go oder Hike oder Mush: Los/Vorwärts!
Straight ahead: Geradeaus

Grundsätzlich lassen sich natürlich auch andere Signale etablieren. Ausschlaggebend ist, dass sie kontinuierlich Einsatz finden und nicht nach Lust und Laune variiert werden.

Zughundesport ist so vielseitig, dass sich dafür fast alle lauffreudigen und ausreichend kräftigen Rassen begeistern lassen. Wichtig ist, dass nicht der menschliche Ehrgeiz siegt, sondern stets die Gesundheit und Motivation des Vierbeiners über die Intensität des ausgeübten Sports entscheiden. Zahlreiche Zughundeschulen bieten ihre Dienste an. Auch mehrere Mitgliedsvereine des Verbands für das Deutsche Hundewesen e.V. (VDH) haben entsprechende Angebote im Programm. Warum nicht einfach einmal reinschnuppern?

Zughundesport im DVG
Der Deutsche Verband der Gebrauchshundsportvereine (DVG) bietet Canicross, Dogscooter und Bikejöring an. Canicross ist ein Geländelauf, bei dem der Sportler mit einem Hund durch eine flexible Leine verbunden ist. Diese Flexibilität wird durch einen Ruckdämpfer, der entweder in der Leine eingearbeitet oder am Ende zwischen Leine und Laufgürtel bzw. Runner-­Pants befestigt ist, gewährleistet. Die Ausrüstung besteht im Wesentlichen aus einem Hüftgürtel und einer flexiblen Leine von circa zwei Metern Länge. Der Hund bekommt ein spezielles Geschirr, dass vergleichbar mit Schlittenhund-Geschirren ist. Der Druckpunkt ist dabei so gearbeitet, dass die Lungen des Hundes nicht belastet werden und die Leistungsfähigkeit nur marginal eingeschränkt wird. Zusätzlich wird mit diesem Regelwerk auch der Start mit einem Scooter, einem Mountainbike oder im Walking ermöglicht. Der DVG zählt Canicross, Dogscooter und Bikejöring zum Bereich Turnierhundsport (THS).

GABRIELE METZ