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    Die Lena-Lustig-Kolumne

Der Rückruf – Teil 2

In der vorherigen Ausgabe habe ich Ihnen von den grundlegenden Aufgaben, die das Aufbauen eines Rückrufs beinhalten, berichtet.
Nun folgt Teil 2.
Phase 1: Erste Schritte im Training: Der Aufbau

Positionieren Sie sich in der Nähe Ihres Hundes. Sobald mein Kollege Sie oder Ihre Hand anschaut, heben Sie diese hoch und formen mit dem Daumen und der geschlossenen Hand den sogenannten „Like Daumen“, dabei bewegen Sie sich einige Schritte rückwärts. Kommt Ihr Hund näher, darf er sich die Belohnung abholen. Die Übung ist damit abgeschlossen. Das wiederholen Sie für meinen Freund drei- bis viermal, solange er sich nahe bei Ihnen aufhält.

Wenn das gut funktioniert, gehen Sie weiter. Lassen Sie den Hund ein paar Meter vorauslaufen, dann bleiben Sie stehen und warten, bis der Hund zufällig zu Ihnen blickt, dann gehen Sie ein weiteres Mal rückwärts. Dabei strecken Sie erneut den Daumen hoch, und formen mit der geschlossenen Hand und Daumen den Like Daumen. Wenn Ihr Hund zu Ihnen kommt, bestätigen Sie sein Verhalten mit einem Marker-Wort (oder Clicker) wie zum Beispiel: Ja, Yes, Yupp und dazu folgt ein Leckerchen. (Das Markerwort oder der Clicker sollte bereits im Vorfeld aufgebaut sein. Es ist wichtig das „Werkzeug“ bereits im virtuellen Werkzeugkasten mitzuhaben.)

So entsteht ein Spiel, bei dem mein Freund lernt: Bei dieser Geste, bei dem Like-Daumen, erfolgt mein Marker-Wort mit Leckerchengabe, wenn ich zu meinem Menschen laufe. Fazit: Die Rückkehr lohnt sich.

Wichtig: Üben Sie in ruhiger Umgebung und nutzen Sie Momente, in denen mein Kollege ohnehin geneigt ist, zu Ihnen zu kommen. Erst dann steigern Sie allmählich die Ablenkungen. So wächst die Sicherheit des Kommandos.

Warum all diese Kleinschrittigkeit? Bewegung ist für uns Hunde interessanter als Stillstand, deshalb das Rückwärtsgehen. Die Handbewegung signalisiert uns Hunden: „Hier ist dein Ziel.“ Außerdem wissen wir so, dass wir nicht einfach „ungefähr“ und in einem bestimmten Radius zu Frauchen kommen sollen, sondern konkret bis zur Hand, dem gestreckten Daumen oder vor sie. Das hilft auch in Situationen, in denen mein Freund schnell angeleint oder kurz festgehalten werden muss.

Wenn Sie aus welchen Gründen auch immer, den Like-Daumen irgendwann weglassen, fehlt Ihrem Hund ein wichtiges Element und das kann ihn verunsichern. Deshalb gilt: Immer das vereinbarte Signal zeigen, bis mein Freund es tief verinnerlicht hat. Der Rückwärtsschritt hat eine weitere Bedeutung: Er macht Platz und lädt zur Bewegung ein, so ähnlich, wie wenn man einem Gast die Tür aufhält. Stehenbleiben wirkt dagegen blockierend und oftmals bedrohlich. Ein alternatives Verhalten zum Rückwärtsgehen gehen wäre: in die Knie und in die Hocke gehen, das lockt uns Hunde auch stets an, da es interessant aussieht und nicht blockierend auf uns wirkt. Den Like-Daumen in die Höhe zu heben, wirkt wie eine Aufforderung genau dorthin zu kommen. Sie vermeiden dabei gleichzeitig Ihren Hund anzustarren, was manche meiner Freunde als Drohgebärde interpretieren könnten.

Wenn alle drei Signale: Bewegung, Handzeichen (Like-Daumen) und Blick zum Like-Daumen gleichzeitig kommen, versteht mein Freund ganz bestimmt, was gemeint ist. Zögert er dennoch, hilft ein Check der eigenen Körpersprache und die sprachliche Verknüpfung, die erlernt wurde.

Phase 2: Die Sprachliche Verknüpfung

Wenn bisherige Rückrufworte wie „Hier!“ oder „Komm!“ keine Wirkung zeigen, empfiehlt es sich, mit einem „unbekannten Begriff“ neu zu beginnen. Etwa: „Paul: Bei!“ Warten Sie auf Blickkontakt, heben Sie den Like-Daumen in die Höhe, sagen Sie dann „Paul: Bei!“ kurz bevor er ankommt, (Paul sollte hierbei schon auf dem Rückweg zu Ihnen sein) so schaffen Sie die Verknüpfung. Viele meiner Hundefreunde freuen sich, wenn sie beim Zurückkommen mit einem freundlichen Tonfall zusätzlich zum Keks bestätigt werden.

Phase 3: Der Keks wird anders gereicht.

In der Anfangszeit halten Sie den Keks bereits bereit, bevor Sie Ihren Hund rufen. So ist klar: Bei Ankunft an der Hand gibt’s eine Belohnung. Nach etwa zwei Wochen lassen Sie die Hand leer. Erst wenn der Hund sie berührt, holen Sie den Keks aus der Tasche. Das kann man so machen, muss man aber nicht. Man kann auch den Keks bereits parat haben, das ist individuell verschieden.

Wichtig ist jedoch: Verlangen Sie an dieser Stelle keine zusätzliche Aktion wie Sitz oder Platz. Das würde die Spielregeln mitten im Ablauf verändern und für Verwirrung sorgen und noch etwas ganz Wichtiges: Bei uns gibt es auch Kekse, wenn wir uns vertrödelt haben, denn wir sind nicht perfekt und es hilft die Motivation des Rückkommens zu steigern. Was hier immer funktioniert. Es hat noch keiner von uns eine Verknüpfung eingebaut, „ach, es gibt ja immer Kekse, da kann ich noch trödeln“, funktioniert hat es immer anders herum: Es gibt Kekse, auch wenn ich mal getrödelt habe, klasse, ich komme das nächste Mal schneller zurück, damit ich den Keks noch schneller fressen kann.

Bis zum nächsten Mal.
Lena Lustig
Illustrationen: Anneke Freudenberger

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